Shakespeare an der Marienschule
Wie verhielt es sich eigentlich mit dem Theater im 16.Jahrhundert? Was ist das Besondere am Globe Theatre? Und warum ist Shakespeare auch heute noch aktuell? Um diese und viele weitere Fragen zu beantworten, gastierte am Mittwoch, den 29.September der Schauspieler und Regisseur.
Norbert Kentrup auf Einladung von Frau Rosenkranz an der Marienschule in Lipperbruch.
Für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 hielt er zunächst einen 90-minütigen Vortrag über das Umfeld und die Theaterkultur Shakespeares, bevor er mit den Schülern der Englisch-Leistungskurse in einem Workshop darauf einging, wie die Emotionen in Shakespeares Stücken dargestellt werden können.
Kentrup, der selbst
als bisher einziger deutscher Schauspieler Mitglied des Ensembles am Globe Theatre in London war, erklärte den Schülerinnen und Schülern zu Beginn seines Vortrags, wie Mitte des 16.Jahrhunderts das Theater in London entstand und sich zu Shakespeares Zeit zum wichtigsten Unterhaltungsort entwickelte.
Die Architektur des Globe Theatre nahm er als Beispiel, um die Unterschiede zwischen dem Theater von damals und heute hervorzuheben. Die 20 000 Zuschauer, die täglich in die Theater strömten, waren durch alle sozialen Klassen vertreten und hatten dementsprechend unterschiedliche Plätze im Zuschauerraum: Während sich die unteren Schichten als sogenannte „Groundlings“ stehend vor der Bühne versammelten, saßen reichere Leute in den überdachten Galerien. Das Publikum wurde in die Vorstellungen einbezogen und die Leute mussten ihre Fantasie einsetzen, da kaum Requisiten verwendet wurden. „Wenn der Schauspieler also sagte: `Jetzt sind wir in Zypern’, dann musste man sich eben vorstellen, man sei in Zypern“, erklärt Kentrup den Schülern.
Durch die Erfahrungen, die der Schauspieler am Globe beispielsweise bei der Darstellung des Shylock in „Merchant of Venice“ gesammelt hat, konnte er den angehenden Abiturienten auch vermitteln, was es heißt Shakespeare zu spielen. Er beschrieb die Bedeutung von Emotionen, welche er als Grund dafür ansah, dass Shakespeare auch heute noch aktuell sei. Die dargestellten Konflikte seien zeitlos und auf die eigenen Situationen häufig übertragbar, denn Shakespeare stelle in seinen Stücken alles dar, „was menschliches Leben ausmacht“.
Außerdem machte Kentrup deutlich, wie sehr der Erfolg einer Inszenierung von den Zuschauerreaktionen abhänge. Um das zu belegen, stellte er eindrucksvoll eine Selbstmordszene aus Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ dar, woraufhin ein begeisterter Applaus folgte.
Beim anschließenden Workshop mit den Leistungskursen gewesen konnten die Schülerinnen und Schüler selbst versuchen, eine Szene so überzeugend wie möglich darzustellen. Dafür wurde zunächst daran gearbeitet, wie man durch Mimik und Tonfall Emotionen wie Verachtung oder Missgunst am besten verdeutlicht. Anhand verschiedener Abschnitte aus Shakespeares „Much Ado about Nothing“, welches zurzeit als Lektüre in den Kursen thematisiert wird, versuchten die Schüler mit der hilfreichen Kritik des Regisseurs das Gelernte umzusetzen. Dabei bemerkte man, dass bei Shakespeare jedem Satz eine bestimmte Bedeutung zu Grunde liegt und es sehr schwierig ist, die richtige Intention schauspielerisch darzustellen. Der Profi schien jedoch mit den Versuchen der Schüler recht zufrieden zu sein.