Exkursion zur Kreuzessammlung in der Museumsabtei Liesborn

18/04/2011

Museum Abtei Liesborn 2011Am Mittwoch, dem 23. März 2011, waren wir, der Religionsgrundkurs der Jahrgangsstufe 12 von Herrn Rediker, auf Exkursion in der Kruzifixausstellung der Museumsabtei Liesborn. Als Leiterin durch die Ausstellung führte Frau Desel. Zu Anfang gab es eine Einführung in die Passionsgeschichte Jesu mit Texten aus den vier Evangelien und einen erklärenden Text zum eigentlichen, unvorstellbaren Leiden Christi, das er bei der Kreuzigung empfunden haben muss. Auch die Frage von Frau Desel nach dem Grund der Auswahl des Kreuzes als Symbol des Christentums konnten wir einigermaßen schnell mit der Auferstehungshoffnung, die das Kreuz für uns symbolisiert, beantworten. Danach ging es bereits in den Hauptteil des Museums.
Die Ausstellung in der Abtei Liesborn umfasst mehr als 800 Werke sowohl von nicht zuzuordnenden als auch von namhaften Künstlern wie Salvador Dali, Marc Chagall und Joseph Beuys. Aufgrund der Umbauarbeiten, die momentan durchgeführt werden, hängen die Exponate auf sehr kleinem Raum chronologisch geordnet von der Romanik bis zur Gegenwart zusammen. Angefangen haben wir mit kleinen Kreuzesdarstellungen in einer Vitrine, anhand derer uns Frau Desel den Unterschied zwischen dem bis zur Gotik üblichen Viernageltypus, bei dem bereits der Auferstehungsgedanke enthalten ist, und dem danach verwendeten Dreinageltypus, der das Leiden Christi betont, erklärt hat. Einige Kreuze der Ausstellung zeigen, dass die Darstellung des Leidens Jesu oftmals sehr drastisch gewesen sein kann. Die Wandlung der Kruzifixdarstellung und der Kreuzestheologie wurde uns vor allem auch beim Betrachten der Kreuze des 20. Jahrhunderts bewusst, die durch das Erleben der Künstler von Kriegen, despotischen Machthabern und dem Holocaust geprägt waren. Die Kreuzigung wird als das Symbol für das allgemeine Leid der Menschen aufgegriffen.
Dass Kreuzigungsdarstellungen auch damals die aktuellen Themen direkt aufgriffen, zeigte uns das „Triptychon für Auschwitz“ der Jüdin Doris Pollatschek, mit dem sie die anklagende Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“ stellt.
Die wohl am interessantesten erscheinenden Kreuze jedoch befanden sich am Ende der Ausstellung: die Kruzifixdarstellungen der Gegenwart. So zum Beispiel gab es eine Abbildung Jesu mit verschiedenen chemischen Elementen und der Titulierung „Jesus auf Intensiv“, ein mit Coca-Cola-Aufdrucken gestaltetes Kreuz sowie auch das Kreuz, das am meisten Beachtung fand. Ein überdimensionales Kreuz hängt ohne Jesusdarstellung mitten im Raum. Unter dem verlassenen Kreuz liegen eine Dornenkrone und ein Zettel mit der Notiz: „Bin weder über Handy noch E-Mail erreichbar.“ Aufgrund der Größe der Ausstellung konnten wir uns leider immer nur mit exemplarischen Kreuzen für die jeweilige Epoche beschäftigen.
Da die Ausstellung sehr viele verschiedene Epochen in der Geschichte der Kruzifixdarstellungen präsentiert, lohnt es sich durchaus, der Museumsabtei Liesborn und ihrer weltweit einzigartigen Sammlung einen Besuch abzustatten, vor allem, da es für die Marienschule praktisch direkt „vor der Haustür“ liegt. Freuen können sich bereits die übrigen Grundkurse für Katholische Religion der Jahrgangsstufe 12, da auch sie die Ausstellung voraussichtlich besichtigen werden.   
 
Lena Waltemate

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