Vortrag: Motive, Ziele und Praxis der Entwicklungshilfe
„Entwicklungshilfe ist, wenn die armen Leute eines reichen Landes, den reichen Leuten eines armen Landes Geld spenden.“
Mit diesem Zitat von Denis Healey eröffnete Herr Hüster für die Jahrgangsstufen 10 und 11 am Mittwoch, dem 13.07.11, den Vortrag des Entwicklungshelfers und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Herrn Christian Wilmsen.
Dieses Zitat erläuterte Wilmsen im Anschluss genauer und bewies somit die große Problematik in Bezug auf Entwicklungshilfe. Sein besonderes Anliegen war es, uns die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe aufzuzeigen, auch wenn es durchaus negative und kritische Aspekte dieser Hilfe gibt.
Wilmsen selbst hat viele Jahre lang als Entwicklungshelfer in Ländern wie zum Beispiel Brasilien und Ghana gelebt und gearbeitet. Zunächst im Auftrag der evangelischen Kirche und später dann für das Bundesministerium.
Am Beispiel des Projekts „Schutz des amazonischen Regenwaldes, in dem er während seines 4-jährigen Brasilienaufenthalts mitwirkte, erklärte er was Entwicklungshilfe ist, wie sie funktioniert und welche Schwierigkeiten sich bei dieser Arbeit ergaben und immer noch ergeben. So erklärte er beispielsweise, dass die Motive von Entwicklungshilfe neben dem Gemeinnutz auch häufig auf wirtschaftlichen Interessen beruhen. Denn die Zerstörung des Regenwaldes hat nicht nur für Brasilien eine große Bedeutung, sondern betrifft auch Deutschland. Hiermit meint er besonders das sich durch die Abholzung verändernde Klima, das letztlich auch Europa betreffen wird. Aber auch für die Kosmetik- und Farbindustrie hat der Regenwald eine große Bedeutung.
Als Grundphilosophie für die Entwicklungshilfe sollte gelten, dass die Länder sich aus eigener Kraft entwickeln sollten, das heißt, man soll die Entwicklungsländer so stärken, dass sie ihre Probleme eines Tages selbst lösen können, denn man kann kein Land von außen entwickeln.
Ein weiterer Kritikpunkt Wilmsens ist die Überproduktion von bestimmten Produkten in den Industrieländern, wie zum Beispiel die Zuckerproduktion in Deutschland. Deutschland produziert 15% mehr Zucker, als die Bevölkerung konsumiert. Diese 15% Zucker werden anschließend subventioniert und in arabische Länder exportiert, da in Deutschland der Zuckerpreis pro Tonne, der bei ungefähr 600 € liegt, wieder ausgeglichen werden soll. Für Brasilien heißt das, dass sie ihren Zucker nicht auf den Märkten verkaufen können, obwohl der Preis mit 250€ im Vergleich sehr günstig ist, da sie durch keine Subventionen unterstützt werden. Christian Wilmsen wollte mit diesem Beispiel verdeutlichen, dass auch Deutschland in gewisser Weise eine Teilschuld an der Armut trägt und Fehler beheben muss, damit die Problematik in den Entwicklungsländern gelöst werden kann.
Doch nicht nur die Industrieländer machen Fehler, sondern auch die Industrie, wie wir am Beispiel von einer Coca Cola Abfüllanlage erfahren konnten. Coca Cola baute eine Abfüllanlage auf die Insel Java (Indonesien). Zunächst brauchte die Anlage sehr viel Wasser, das sie sich aus dem Boden holte, mit der Folge, dass der Grundwasserspiegel sank. Des Weiteren leitete die Anlage Abwässer ab, die ins Grundwasser und nähere Gewässer gelangten, womit die Reisbauern ihre Felder befluteten. Viele Fische in den Seen starben und die Ernte wurde ungenießbar. Wilmsen erzählte außerdem von der stetigen Preissenkung auf dem Getränkemarkt in Indonesien, mit der Coca Cola nach und nach eine Monopolstellung erhielt.
Mit diesem Beispiel verdeutlichte er gezielt die Beeinflussung verschiedener Firmen auf Entwicklungsländer und deren negative Folgen.
In einer anschließenden Diskussion lud Wilmsen dazu ein kritisch nachzufragen und Sachverhalte noch genauer zu hinterfragen. Dabei konnte zum Beispiel die Frage geklärt werden, was wir tun können oder ob es auch Hilfe gibt, die sofort bei den Bürgern ankommt, ob Entwicklungshilfe sich immer an den gesamten Staat richtet oder was mit dem Geld passiert was wir spenden und ob wir sicher gehen können, das es auch wirklich dort ankommt, wofür wir es spenden.
Wilmsen erklärte vor allem die Problematik der Korruption in vielen Entwicklungsländern und wie gegen diese vorgegangen wird. Mittlerweile gibt es viele Korruptionspräventionen durch den Vertrag der Entwicklungshilfe. Dort sind Richtlinien verankert und vermerkt, sodass Korruption sehr stark eingeschränkt wird und kaum noch vorkommt.
Des Weiteren erzählte er von einem Projekt in Brasilien für Frauen mit Kindern, die ihren Vater verloren haben. Diese Frauen können sich 70 € verdienen, indem sie bescheinigen, dass ihre Kinder regelmäßig zur Schule gehen. Diese Bescheinigungen müssen von der Schule unterschrieben werden. Dieses Projekt hat zur Folge, dass sehr viele Kinder nun regelmäßig zur Schule gehen und sich weiterbilden, was dem Land hilft voran zu kommen.
Durch den Vortrag konnten wir uns ein gutes Bild von Entwicklungshilfe machen und auch über den Beruf des Entwicklungshelfers genaueres erfahren. Wilmsen hat uns außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass auch wir etwas tun können und müssen, um den Entwicklungsländern zu helfen.
Annika Aust & Lukas Brieger, Jgst. 11