„Demokratie vielstimmig und unvollendet“Vortrag von Dr. Ute Scheub in Zusammenarbeit mit der GSP Lippstadt im Forum

Vortrag Demokratie

„Demokratie vielstimmig und unvollendet“Vortrag von Dr. Ute Scheub in Zusammenarbeit mit der GSP Lippstadt im Forum

"Demokratie - die Unvollendete“ hieß es in einem Vortragsmorgen für die Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie die EF im Forum der Marienschule. Einmal mehr zeigte sich die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Lippstadt, die schon seit einer Reihe von Jahren Referenten aus dem Bereich der gesellschaftspolitischen Bildung in die Marienschule führt. Dieses Mal konnten Schulleiterin Ute van der Wal und Geschichtslehrer Dietmar Lange gemeinsam mit dem GSP-Beauftragten Dieter Brand die Politologin und Publizistin Dr. Ute Scheub aus Berlin begrüßen, die zur demokratischen Willensbildung gerade bei jungen Menschen aufrief.

Wenn wir aufhören, die Demokratie zu entwickeln, fängt die Demokratie an aufzuhören“, zitierte sie aus Kernbereichen ihrer Veröffentlichung und verwies auf den aktuellen Rückgang demokratischer Staaten heutzutage und das Anwachsen rechtspopulistischer Bewegungen in den USA und Europa, das Herausbilden von „Fassadendemokratien“ wie in Russland und weiterer autoritärer Entwicklungsstaaten und Diktaturen.

Dabei verglich sie die Bildung von Demokratie mit Begrifflichkeiten der Musik, in der die vergleichbare „Stimmbildung“ eine zentrale Rolle spiele. „Wir Menschen haben ein existenzielles Bedürfnis nach Antworten, Mit-Schwingung und Mit-Wirkung. Wenn wir keine Resonanz mehr erfahren, ist die Welt tot für uns“ warb sie so für die Ausbildung demokratischen Bewusstseins. Schwingungen und Stimmungen, ob hoch oder tief, laut oder leise, zornig oder liebend, würden sich schnell übertragen und dazu anregen, dass andere Menschen ähnlich antworteten und man damit „auf derselben Wellenlänge“ sei. Sie rief sogar zum Experimentieren mit der eigenen Stimme auf, so dass im Forum erste Versuche musikalischen Gleichklangs entstanden.

Vielstimmigkeit sei absolut entscheidend, in Diktaturen sei es aber eintönig, denn Rechtspopulisten und Rechtsradikale strebten einen einstimmigen „Volkskörper“ an, so die Referentin. Die Menschen hätten ein Verlangen nach Resonanz, eine tiefe Sehnsucht danach, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und damit etwas Positives in die Welt zu tragen, fügte sie weiter an und forderte, dass Staaten und Gemeinwesen deshalb viel mehr direkte und partizipative Demokratie zulassen sollten. Diese könnten in Bürgerräten oder Plebisziten und vermehrten Volksabstimmungen passieren. Hier gebe es eine hohe Bereitschaft der Bevölkerung, sich zu beteiligen – aber eben nicht parteipolitischer Art. Auch „direkte“ Aktionen seien unerlässlich, wie die aktuelle Aktion Greta Thunbergs für den Klimaschutz in den „Fridays4Future“-Protesten zeigten. Die vielgestaltige „Unvollendete“ des Komponisten Franz Schubert sei Beispiel für einen zukunftsorientierten Umgang mit Demokratie. Im Wissen um ihre noch ausstehende Vollendung sei Demokratie immer wieder von Neuem zu entwickeln und dürfe niemals stehen bleiben und fertig sein. Demokratie sei die „fortlaufende Weiterentwicklung durch uns alle“.

Im Anschluss lud die Referentin zur Diskussion über den persönlichen Umgang mit Demokratie und aktuelle politische Fragestellungen ein. Ausführlich und nicht ohne Kontroversen entwickelte sich der weitere Vormittag – ganz so, wie es die Referentin zu Beginn gefordert hatte – vielstimmig und unvollendet.




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