Friedens- und Sicherheitspolitik aus erster Hand

Friedens- und Sicherheitspolitik

Friedens- und Sicherheitspolitik aus erster Hand

Hauptmann Alexander Finke zu Gast im Sowi-Grundkurs Q2

Der Lehrplan des Grundkurses Sozialwissenschaften in der Q2 beinhaltet unter anderem die Behandlung des Themas Friedens- und Sicherheitspolitik in einer globalisierten Welt. Um nicht nur Informationen aus Schulbüchern und den digitalen Medien vermittelt zu bekommen, war Jugendoffizier der Bundeswehr Hauptmann Alexander Finke von der eingeladen. In einer Doppelstunde konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur vielfältige Fragen zum Aufgabenbereich der Bundeswehr stellen, sondern sie erfuhren darüber hinaus auch viel Interessantes, das man vermutlich nirgends nachlesen kann.

Die Aufgaben der Bundeswehr sind, so Herr Finke, weitgehend im Artikel 87 des Grundgesetzes geregelt. Dazu zählen beispielsweise die Landesverteidigung, humanitäre Hilfe im In- und Ausland, friedenssichernde Einsätze im Ausland (z.B. in Mali) oder die Ausbildung von Soldaten in demokratisch fragilen Ländern. In diesem Zusammenhang verweist Herr Finke auf Artikel 24 II des Grundgesetzes, auf das System der kollektiven Sicherheit zwischen  NATO, EU und der UN.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wurden auch der Klimawandel und der weltweite Hunger thematisiert. Der anthropogen bedingte Prozess der Desertifikation (Ausbreitung der Wüsten) führt unter anderem dazu, dass immer mehr Menschen Hunger leiden. Aktuell gibt es mehr als 800 Millionen Menschen, deren Ernährungsgrundlage als unzureichend bezeichnet werden muss. Dies verstärkt Konflikte und fördert das Aufkommen von Gewalt. Ähnliches gilt für den Zugang zu sauberem Trinkwasser: einer von sieben Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Wasser, was wiederum zu einem wachsenden Konfliktpotential führt.

Auf die Frage, worin große Herausforderungen der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen lägen, antwortete Hauptmann Finke: „Die kulturellen Unterschiede stellen ein großes Problem dar.“ Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen, führte er den Kursteilnehmern konkrete Beispiele vor Augen: Wenn man in Afghanistan am Ramadan auf Patrouille geht, solle man auf offener Straße lieber keinen Apfel essen. Des Weiteren werden, so Finke, in einigen Ländern immer mehr Frauen als Soldatinnen rekrutiert. Der Grund sei ein höheres Abschreckungspotential auf den Gegner bzw. Feind. Die Kultur in diesen Ländern besage nämlich, dass man nicht ins Paradies kommt, wenn man von einer Frau erschossen wird. Also überlege es sich der radikale Fundamentalist zweimal, ob er angreift oder lieber den Rückzug antritt.

Natürlich gibt bzw. gab es auch bundeswehrinterne Herausforderungen. Da die Ausrüstung für den mitteleuropäischen Raum ausgelegt ist, hatten zum Beispiel die Panzerbesatzungen in Afghanistan bei Temperaturen von teilweise über 50 °C ein Problem, da der Innenraum sich sehr stark aufheizte. Allerdings, so berichtete Finke, sei dieses Problem mittlerweile behoben und die Panzer seien nun mit einer Klimaanlage ausgestattet.

Die Doppelstunde mit Hauptmann Alexander Finke war äußerst informativ, leider viel zu kurz, aber dennoch eine gute Ergänzung zum alltäglichen Unterricht. Den Schülerinnen und Schülern ist bewusst geworden, welche vielfältigen Aufgaben und Einsatzgebiete die Bundeswehr hat. So haben sie auch erfahren können, dass die Ausbildung der malischen Streitkräfte ein Hauptanliegen des BMVg in Mali ist und dass die Soldaten dort zunächst mit Holzgewehren ausgebildet werden – dies dient unter anderem dem Materialerhalt, da die Gewehre dann nicht abgenutzt werden. Abschließend konstatiert Hauptmann Finke: „Bisher hat die Bundeswehr rund 13.000 malische Soldaten in unterschiedlichen Lehrgängen ausgebildet. Hierdurch leistet die Bundeswehr einen Beitrag, dass die malischen Soldaten in die Lage versetzt werden, Verantwortung für die Sicherheit ihres Landes zu übernehmen, da Stabilität und Frieden im Land Voraussetzung für den Wiederaufbau Malis sind.“




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